Google Analytics und Co. verstoßen evtl. gegen den deutschen Datenschutz
Es war klar, dass es in Deutschland soweit kommen musste. Die ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz) des Bundeslandes Schleswig-Holstein kam nun zu der Ansicht, dass der Einsatz von Google Analytics gegen das Bundesdatenschutzgesetz verstoße. Die Datenschutzaufsichtsbehörde von Schleswig-Holstein ist der Meinung, dass Google die personenbezogenen Daten anhand von Cookies und IP-Adressen speichert und verarbeitet.
Auf diesen Sachverhalt wurde die ULD durch einen Bericht von furturezone.orf.at aufmerksam. In diesem Bericht wurde erläutet, wie größere deutsche Webseiten anhand von Web-Statistiken (vor allem Google Analytics) die Besucherströme analysieren, ohne die Webseiten-Besucher hierauf aufmerksam zu machen.
Aufgrund dieser Medienmeldung nahmen sich nun die Datenschutzbeauftragten der Bundesländer Schleswig-Holstein und Berlin dieser Sache an. Unter anderem erfolgte dies durch Anschreiben einiger Webseitenbetreiber sowie an Google direkt. Es wird nun geprüft, inwieweit Google Analytics gegen den Datenschutz verstößt (Pressemitteilung Schleswig-Holstein). Die Schreiben an Google (PDF) sowie die Webseiten-Betreiber (PDF) wurden ebenfalls veröffentlicht. Den Schreiben kann man entnehmen, das die Datenschützer es mit Ihren Vorhaben ernst meinen und sich schon umfangreich mit der rechtlichen Zuständigkeit sowie der Rechtmäßigkeit an sich beschäftigt haben.
Fragen zum Datenschutz an Google
Die im Schreiben an Google gestellten Fragen bezgl. der Datenverarbeitungen waren schon sehr umfangreich und würden mich selbst auch interessieren. Es bleibt abzuwarten, wie Google selbst auf dieses Schreiben reagiert. Unter anderem will die ULD wissen, welche Daten Google Analytics aufzeichnet und wie diese weiterverarbeitet werden. Auch die Nutzung der Daten durch Google selbst wird hinterfragt.
Grundsätzlich denke ich nicht, das Google sich so tief in die Karten schauen lässt. Meiner Meinung nach werden wir wohl nie genau erfahren was Google mit den über Jahren gesammelten Nutzerdaten vor hat. Es bleibt auf jedenfall Interessant wie sich dieser Sachverhalt entwickelt, da es sich hier wohl um ein Grundsatzentscheidung handeln wird. Es ist auch davon auszugehen, dass andere Bundesländer nachziehen werden.
Sicher ist es aber auch sinnvoll, diese Problematik grundsätzlich zu prüfen. So könnte das “alte” deutsche Datenschutzgesetz, welches in der heutigen Zeit doch sehr wichtig ist, eine grundlegende Anpassung erfahren. Das beträfe dann nicht mehr nur Google, sondern wahrscheinlich alle statistischen Auswertungen durch einschlägige Statistiken.

Freddy 15. Juli 2008
Ja, spannendes Thema! Aber sicherlich ist nicht nur Google der Bösewicht. Auch Statistiken aller E-Tracker und Omniture müssten angeschaut werden. Was die intern machen und ob die Daten wirklich nur für die bereitgestellten Auswertungen der Benutzer genutzt werden….
.. nur bei Google steht plötzlich ein, in der früheren Zeit schon öfter wegen Bedenken im Datenschutz, in die Kritik geratenes Unternehmen mit enormer Wirtschaftsmacht im Augenmerk der Kritiker.
Christian Kolodziej 16. Juli 2008
Auch wenn die Google-Statistiken schön anzuschauen sind, Google braucht nicht unbedingt alles über mich wissen. Ich persönlich stelle gerade um von Google Analytics auf Piwik, da lagern die Daten bei mir auf dem Server und meine Besucher brauchen keine Angst haben, dass ihr Surfverhalten mit anderen Informationen in Zusammenhang gebracht werden kann.
Um der Transparenz wegen habe ich auch gleich noch beschrieben welche JavaScript-Datei man blocken will falls man sich auch von Piwik nicht verfolgen lassen will.
woyack 16. Juli 2008
Hallo Christian,
ich gebe dir natürlich recht bezgl. der Datenhaltung bei Google. Man sollte abwägen für was für Projekte man Google Analytics einsetzt. Leider kann ich momentan noch kein ebenbürtiges kostenfreies Tool empfehlen, welches auch nur annähernd dies Funktionen und den Leistungsumfang von Google Analytics hat.
Die open source Anwendung PIWIK hab ich momentan auch Testweise bei einem größeren Projekt laufen, muss aber sagen das ich doch etwas enttäuscht bin. Es ist noch eine sehr frühe Version. Man sollte PIWIK in Zukunft sicher nicht aus den Augen lassen, aber momentan kann ich damit nicht viel anfangen. Vorteil an PIWIK ist sicher auch, dass die Entwicklung mit dem ZEND-Framework vorgenommen wurde. Ich werde auf jendenfall weiter meine Augen darauf haben.
Michael 16. Juli 2008
PIWIK sieht auf den ersten Blick wirklich interssant aus. Kannte ich bis dato noch nicht. Die Kombinationmöglichkeiten von Analytics mit Adwords sind natürlich schon sehr nett. Als Open Source Alternative finde ich phpmyvisites auch nicht schlecht.
effha 17. Juli 2008
Sollte man GA also jetzt schon vorsorglich rausnehmen? Wer weiß was sonst hinterher an Nachforderungen kommt.
Irgendwie macht das in Deutschland keinen Spaß mehr. Jede Behörde erfindet als Zweck zur Selbsterhaltung neue Tätigkeitsfelder. Wenn dann alles verboten, überreglementiert und die letzten Projekte an Firmen verkauft sind, die etwas gleicher als andere, was dann? Ich seh die Deutschen schon laut jammernd den Kitsch für chinesische Kaugummiautomaten zusammenbasteln.
Kapieren die es nicht? Warum geht denn jeder, der es sich leisten kann, weg aus diesem Land?
woyack 17. Juli 2008
Hallo effha,
ich kann mich dir nur anschließen, aber ich glaube auch noch an das deutsche Rechtssystem und hoffe inständig, das etwas positives passiert.
Ich an deiner Stelle würde Google Analytisc noch aktiv lassen, bis es zu einer Entscheidung der Datenschutzbehörden gekommen ist. Zumindest werde ich diese so machen. Falls es verboten wird, sollte man natürlich schnell handeln und es entfernen, da es dann wohl eine Flut von Abmahnungen geben wird. Dies ist dann ein gefundenes Fressen für die Anwälte.
kman 17. Juli 2008
Was haltet ihr davon, dass bei manchen Seiten im Impressum über die Verwendung von GA informiert wird? Andererseits kann so etwas vermutlich auch nach hinten losgehen. Wissentlich wurde etwas eingebaut, dass Datenschutzrechtlich vielleicht bedenklich ist.
Naja, bin eh kein allzu großer Freund von GA. Das große G muss ja nicht alles wissen. PIWIK muss ich mir mal anschauen.
woyack 17. Juli 2008
Hallo kman,
lt. Google muss sollte man diesen Hinweis integrieren, aber die Datenschützer hätten gerne eine technische Lösung um die Widerspruch gem. § 15 (3) TMG (Opt-out) auszuschließen. Diese Opt-out verfahren ist in Deutschland nicht gesetzeskonform.
Stefan 20. Juli 2008
Ja, ich verwende auch Google-Analytics. Wer Angst hat, dass seine Daten von Google aufgezeichnet werden, soll einfach Javascript in seinem Browser deaktivieren. Dann bekommt deren Script keine Daten mehr.
Frei-Gen'er 29. Juli 2008
@effha: Erst Lesen, dann Denken, ein wenig warten und dann Schreiben.
Die Behörde heißt “Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz”. Und schon der Name lässt seine Aufgabe erahnen; welche es ist die Entwicklung des Datenschutzes zu beobachten und diesen hoch zu halten bzw. Verstösse gegen die Datenschutzgesetze unabhängig von anderen Einflüssen aufzuzeigen.
Und was man auch genau von Google Analytics hält, keiner weiß was in Amerika auf den Google Servern mit den gesammelten Daten passiert. So sind in Deutschland eine Reihe von Verboten in den Gesetzen festgeschrieben bzgl. der Verarbeitung von Daten, die ohne Wissen des “Opfers”, gesammelt wurden. Und genau das ist der Fall bei Google Analytics und den meisten Nutzern. Im Endeffekt fängt also gerade hier an eine Behörde sich mit etwas zu beschäftigen, was genau in ihrem vorgesehenen Einsatzbereich liegt.
Und natürlich, alle die es sich leisten können verlassen Deutschland - wann warst du das letzte mal auf der Straße? Solche Aussagen haben was von Stammtisch…
RA Starostik - Mr. Anti-Vorratsdatenspeicherung - meets Google Analytics | Der Frei-Gen Blog 29. Juli 2008
[...] unterliegen, nahelegen Google Analytics nicht weiter einzusetzen - unabhängig davon wie das “Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz” des Bundeslandes Schleswig-Holstei… weiter verfahren und entscheiden [...]